# Monte-Carlo im Projektplan: Wie wahrscheinlich ist dein Endtermin?

Ein Projektplan nennt meist einen einzigen Endtermin. Die Monte-Carlo-Simulation zeigt dagegen, wie sicher dieser Termin ist: Sie würfelt die Dauern vieler Aufgaben tausendfach durch und liefert eine Wahrscheinlichkeit statt eines einzelnen Datums.

## Was macht die Monte-Carlo-Simulation?

Sie rechnet deinen Plan tausendfach mit zufällig gewählten Dauern und zählt, wie oft du bis wann fertig bist.

Jede Aufgabe, bei der du eine Spanne angibst, bekommt in jedem Durchlauf eine zufällige Dauer innerhalb dieser Spanne. Danach wird der ganze Plan wie gewohnt durchgerechnet (Abhängigkeiten, Arbeitstage, Feiertage, feste Termine). Nach 2.000 Durchläufen liegt eine Verteilung der möglichen Endtermine vor. Daraus liest du ab: „Mit 80 % Wahrscheinlichkeit bin ich bis zu diesem Tag fertig.“

## Die Drei-Punkt-Schätzung

Statt einer Zahl gibst du drei an: den **besten Fall** (alles läuft gut), den **wahrscheinlichsten Fall** (das ist die Dauer im Plan) und den **schlechten Fall** (es läuft schlecht, aber nicht katastrophal). Die Baugenehmigung im Beispiel: 25, 30 und 60 Tage.

Zwischen diesen Punkten verteilt der Planer die Zufallswerte. Standard ist die **Beta-PERT-Verteilung**: Sie gewichtet den wahrscheinlichsten Wert stark, der Mittelwert ist (bester + 4 × wahrscheinlichster + schlechter) / 6. Alternativ gibt es die **Dreiecksverteilung**, bei der die Extremwerte häufiger vorkommen, der Mittelwert ist (bester + wahrscheinlichster + schlechter) / 3. Gibst du nur einen schlechten Fall an, schwankt die Aufgabe nur nach oben.

## Beispiel: Café-Filiale eröffnen

Im Beispielprojekt haben alle Aufgaben außer der Eröffnung eine Spanne. Das Ergebnis mit 2.000 Durchläufen:

| Sicherheit | Fertig bis |
| --- | --- |
| Geplanter Termin (wahrscheinlichste Dauern) | Fr 12.02.2027: hält nur mit 14 % |
| 50 % (Median) | Fr 19.02.2027 |
| 80 % | Mi 24.02.2027 (12 Tage nach dem Plan, 8 Arbeitstage) |
| 90 % | Fr 26.02.2027 |
| 95 % | Di 02.03.2027 |
| Zieltermin 31.03.2027 | 100 % Wahrscheinlichkeit |

Den größten Einfluss auf den Termin haben E1 Baugenehmigung (25 bis 60 Tage), E3 Hygieneabnahme und Gewerbeanmeldung (8 bis 20 Tage), A6 Umbau (18 bis 30 Tage). Dort lohnt es sich, die Schätzung zu verbessern oder das Risiko zu verringern.

## Warum hält der geplante Termin so selten?

Der Plan rechnet mit den wahrscheinlichsten Dauern. Zwei Effekte schieben den Termin im Schnitt nach hinten: Viele Schätzungen sind schief, denn eine Aufgabe kann deutlich länger, aber kaum kürzer als geplant dauern. Und wenn mehrere Ketten zusammenlaufen, bestimmt immer die langsamste den Termin. Auch wenn jede Kette für sich zu etwa 50 % pünktlich ist, ist es das Zusammentreffen deutlich seltener.

Das ist kein Fehler der Rechnung, sondern die eigentliche Erkenntnis: Ein Termin ohne Wahrscheinlichkeit verspricht mehr, als die Schätzungen hergeben.

## Welche Sicherheit soll ich planen?

- **50 %:** Median. Gleich wahrscheinlich früher oder später, geeignet für interne Orientierung.
- **80 %:** gute Planungsgrundlage, wenn ein Termin zugesagt wird.
- **90 % bis 95 %:** für Termine mit harten Folgen, zum Beispiel Vertragsstrafen.

Welche Sicherheit angemessen ist, hängt davon ab, was eine Verspätung kostet. Der Planer zeigt zusätzlich, mit welcher Wahrscheinlichkeit dein Zieltermin hält.

## Grenzen der Simulation

- **Die Ergebnisse sind nur so gut wie die Schätzungen.** Spannen, die zu eng sind, erzeugen eine trügerische Sicherheit.
- **Unabhängigkeit:** Der Planer nimmt an, dass die Aufgaben unabhängig voneinander schwanken. In der Praxis hängen Verzögerungen oft zusammen, etwa bei knappem Personal. Dann sind die echten Risiken größer als berechnet.
- **Nur Dauern schwanken.** Abhängigkeiten, Kalender und feste Termine bleiben wie im Plan.
- **Zufall:** Mit „Neu würfeln“ siehst du, wie stark das Ergebnis vom Zufall abhängt. Bei 2.000 Durchläufen ändern sich die Prozentwerte meist nur um wenige Prozentpunkte, mehr Durchläufe glätten sie weiter.

## Häufige Fragen

### Wie viele Durchläufe brauche ich?

Für eine Orientierung reichen 2.000. Wenn du knappe Entscheidungen triffst, wähle 5.000 oder 20.000. Mit „Neu würfeln“ prüfst du, ob sich das Ergebnis spürbar ändert.

### Beta-PERT oder Dreieck?

Beta-PERT ist der Standard in der Projektplanung und gewichtet den wahrscheinlichsten Wert stärker. Das Dreieck gibt den Extremwerten mehr Gewicht und führt zu vorsichtigeren Terminen.

### Was, wenn ich nur einen schlechten Fall kenne?

Dann reicht das: Die Aufgabe schwankt zwischen ihrer Dauer und dem schlechten Fall. Ein bester Fall macht das Bild genauer, ist aber nicht nötig.

## Quellen

- [Monte-Carlo-Simulation (Wikipedia)](https://de.wikipedia.org/wiki/Monte-Carlo-Simulation)

Stand: Oktober 2026.
